Heute so aktuell wie damals
Aus der Geschichte

Der Berufsverband der steirischen Anästhesisten wurde in den Pionierzeiten der Anästhesiologie gegründet. Seine primäre Aufgabe war es, die Anästhesiologie in der steirischen Medizin zu etablieren.

So gab es zum Beispiel den Plan, für die gesamte Steiermark eine Abteilung einzurichten die alle Krankenhäuser versorgt. Gedacht war, die chirurgischen Abteilungen tageweise für die "schwierigeren" Narkosen mit Anästhesisten zu versorgen, die eben für den einen Tag anreisen sollten.

Dieses Konzept des "Wanderanästhesisten" war einer der Auslöser der Entstehung des Berufsverbandes.

In der Generalversammlung des Berufsverbandes am 10.Dezember 1979 unter Franz Wageneder als Präsident wurde ein Verbesserungsvorschlag für die Anästhesiesituation in der Steiermark beschlossen. Die Kernaussagen lauteten:

Bildung eines Ausschusses zur sofortigen Erarbeitung einer Lösung für die prekäre Situation der Anästhesie.

Der Anästhesist muss eigenverantwortlich und in autonomer Stellung sein sowie über ein eigenes Budget verfügen können, wie dies auch in anderen Abteilungen in den Krankenanstalten zugestanden wird.

Um eine Mindestversorgung unter Berücksichtigung der bis 24 Stunden nach Operationsende dauernden Verantwortung des Anästhesisten für seine Patienten gewährleisten zu können, ist es dringend erforderlich, daß ein 24-Stunden-Dienst existiert. Es muß daher für die jeweils erste operative Abteilung eines Krankenhauses eine zweite Stelle garantiert werden. Für jede weitere operative Abteilung desselben Hauses bedarf es einer weiteren Stelle. Dem leitenden Anästhesisten gebührt der Titel Primarius.

Änderung der derzeit getrennten Ausbildungskurse für Anästhesie und Intensivtherapie in gemeinsame Kurse mit einem einheitlichen Zeugnis.

Möglichkeit einer Teilausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie an bestehenden Anästhesieprimariaten in der Dauer von einem Jahr.

Quelle:DDr. Gerhard Moser;Dipl.-Ing. Dr. Klaus Fankhauser:
Entwicklung,Organisation und Strukturen der Anästhesieversorgung in den Steiermärkischen Krankenanstalten

Erreicht wurde damals, dass alle Krankenhäuser mit operativen Abteilungen nach und nach mit Anästhesisten versorgt wurden. Damit war der Grundstein für die heutigen Anästhesieprimariate gelegt.

In den Jahren danach hat der Berufsverband viel von diesem ersten, aus der Not entstandenen Schwung verloren. Erst die letzten Jahre der "fehlenden Ressourcen" im Gesundheitssystem mit beginnenden Verteilungsdiskussionen unter den ärztlichen Berufsgruppen haben neuerliches Interesse für den Berufsverband erzeugt.

Es ist an der Zeit, die Berufsgruppe der Anästhesisten und Intensivmediziner neu zu positionieren.

Das Fach ist gewachsen und durch die Entwicklungen der modernen Medizin hat es sich gewandelt. Aus dem "Narkotiseur" oder auch abschätzig "Beutelquetscher" (Kommt vom Beatmungsbeutel mit dem der Anästhesist den Patienten während einer Narkose beatmen kann) ist der Anästhesist der Spezialist für "perioperative Medizin" geworden. Heute ist es selbstverständlich, dass der Anästhesist sich um die Vorbereitung von Patienten auf einen Eingriff kümmert, dass er das perioperative Risiko evaluiert um den Patienten mit angemessenen Maßnahmen sicher über die kritische Zeit während und nach einem operativen Eingriff zu versorgen. Die Spezialisierung auf die perioperative Intensivmedizin hat auch in der Berufsbezeichnung "Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin" offizielle Anerkennung erfahren.

Aus diesen Ansätzen hat sich auch das Engagement in der Schmerztherapie und in der Notfallmedizin als logisch notwendige Konsequenz ergeben.

Noch sind die Strukturen im Gesundheitssystem aber für die flächendeckende Erfüllung all dieser Aufgaben eher dürftig. Im Gegenteil, es wird Versucht dem Trend entgegenzuwirken. Nach wie vor ist es dem Anästhesisten nahezu unmöglich, seine Arbeit auch in der freien Praxis anzubieten weil entsprechende Verrechnungsmöglichkeiten mit den Versicherungen fehlen.

Im Krankenhaus werden die Anästhesieabteilungen vielfach noch als Teil der Chirurgie gesehen. Dies findet sich auch im System der Verrechnung mit den privaten Krankenversicherungen, in dem die Anästhesieleistung mit einem Prozentsatz des chirurgischen Honorars abgedeckt wird oder in den Sanatorien wo die Anästhesieleistung als ärztliche Leistung überhaupt keine Honorarposition mehr ist.

Vieles wäre noch anzumerken.

Der Berufsverband hat weiter seine wichtige Aufgabe, die Interessen der Berufsgruppe in der Öffentlichkeit zu vertreten.

 

 
Gründung der Anästhesie - Primariate in der Steiermark

 

LKH

ErrichtungsbewilligungBetriebsbewilligungPrimararzt
Bruck a.d.Mur14.3.199025.2.1994Dr. K. W. Ahlsson
Leoben11.11.197511.11.1975Dr. A. Tonsa
Bad Aussee---
Bad Radkersburg17.10.199130.9.1992Dr. S.Orehovsky
Deutschlandsberg25.7.198827.6.1989Dr. G. Filzwieser
Eisenerz---
Feldbach3.11.198714.5.1991Dr. K. Trauner
Fürstenfeld10.12.198610.12.1986Dr. E. Machowetz
Graz West 2.12.2002Dr. H. Walch
Hartberg20.3.199023.4.1991Dr. J. Schäffer
Judenburg23.11.19877.10.1988Dr. K. Noe
Knittelfeld26.7.19891.2.1990Dr. Ch. Raber
Mariazell---
Mürzzuschlag18.12.199023.5.1991Dr. W. Buchhaas
Rottenmann26.11.198426.11.1984Dr. E. Parteder
Voitsberg29.8.198429.8.1984Dr. G. Habermann
Wagna11.7.198611.7.1986Dr. G. Winkler
Weiz1.10.20051.1.2006Dr. R. Schmied
Hörgas-Enzenbach---
Stolzalpe9.7.19829.7.1982

Dr. B. Farkas

 

Anästhesieversorgung der Steiermark 1980

Institut für Klinische Anästhesiologie
LKH Graz
Klinische Assistenten 11
Landschaftliche Assistenten 2
Sekundarärzte 6
Abteilungsärzte 2
Landschaftliche Anästhesieabteilung
LKH Graz
Assistenten 11
Sekundarärzte 6
Abteilungsärzte 9
Bruck an der Mur Fachärzte 3
Leoben Fachärzte 2
Ärzte 3
Fürstenfeld Fachärzte 1
Hartberg Fachärzte 1
Bad Radkersburg Fachärzte 1
Rottenmann Fachärzte 1
Wagna Fachärzte 1
Voitsberg Fachärzte 1
Stolzalpe Fachärzte 3

Quelle:DDr. Gerhard Moser;Dipl.-Ing. Dr. Klaus Fankhauser :
Entwicklung,Organisation und Strukturen der Anästhesieversorgung in den Steiermärkischen Krankenanstalten

 
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